Ausgabe Februar 1994

Teil des Problems oder Teil der Lösung?

Die Gewerkschaften zwischen politischer Offensive und Marginalisierung

Wer sich Anfang 1994 die Lage der Gewerkschaften vor Augen hält, dem bietet sich nicht gerade ein erfreuliches Bild. Es ist schlecht bestellt um die Chancen gewerkschaftlicher Gegenwehr. Schon wenn es gilt, Vorhandenes zu verteidigen, vermitteln die Gewerkschaften den Eindruck der Schwäche. Messen wir sie an dem Anspruch, sozial- und gesellschaftspolitisch in die Offensive zu kommen, so ist die Lage noch besorgniserregender.

Unternehmerische "Überkompensation" und gewerkschaftliche Defensive

Dies alles hat Gründe. Um nur einige aktuelle Faktoren in Erinnerung zu rufen: - Die Bundesrepublik ist, wie andere Industriestaaten auch, von einer tiefen wirtschaftlichen Krise gezeichnet. Ein Ende ist nicht in Sicht, allen Prognosen politischer Berufsoptimisten zum Trotz. - Noch nie waren so viele Menschen arbeitslos. Zählt man nicht nur die von den Arbeitsämtern registrierten Arbeitslosen, so fehlen derzeit annähernd sechs Millionen Arbeitsplätze. - Wenn die Belegschaften Angst um ihre Arbeitsplätze haben, fällt ihnen erfahrungsgemäß Gegenwehr schwer. Wenn einzelne Arbeitnehmer/innen oder ganze Belegschaften gegeneinander ausgespielt werden, ist es nicht leicht, Solidarität zu entwickeln. - In der aktuellen Auseinandersetzung um die Pflegeversicherung wurde der Begriff der "Überkompensation" geprägt.

Er kann derzeit als allgemeine Maxime gelten.

Februar 1994

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema