Ausgabe Juli 1994

Die amerikanisch-russische Allianz und die Rolle Deutschlands

Meinem verehrten Lehrer Helmut Ridder zum 75. Geburtstag

"Ebenso wie in der Vergangenheit ist die Zukunft Amerikas heute in wesentlicher Hinsicht mit der Rußlands verbunden." (Bill Clinton) 1) "Deutschlands Schicksal scheint es zu sein, einen Brennpunkt zu bilden, um den herum sich das internationale System neu arrangiert." 2) Was der amerikanische Historiker David Calleo bereits 1986 vermutet hatte, ist eingetreten - vielleicht mit der Einschränkung, daß das internationale System nicht völlig neu geordnet wird, weil offenbar bis heute bestimmte grundlegende Interessen der Hauptakteure gleich geblieben sind, wie sie sich seit 1941 mit der Atlantikcharta (diese bildete die Basis für die "Anti-Hitler-Koalition" oder "Grand Alliance") zwischen den USA und Großbritannien und der im selben Jahr beigetretenen UdSSR abzuzeichnen begannen. Neu ist vorerst die Landkarte, "die große Ähnlichkeit mit dem deutschen Neuordnungsversuch nach dem Frieden von Brest-Litowsk, März 1918, aufweist" 3). Und neu sein könnte, daß nach dem Ende des Kalten Krieges das Staatensystem des 19. Jahrhunderts mit seiner sichtbaren Bündnispolitik möglicherweise neue Aktualität erhält 4).

Steht nach einer "Prinzipienpolitik" während der sogenannten Bipolarität eine offene Rückkehr dessen bevor, was der Florentiner Niccolo Machiavelli zu Beginn des 16.

Juli 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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