In Deutschland ist seit Beginn der 90er Jahre wieder über eine Zunahme des Ausmaßes von Armut die Rede, einer Armut, die sich vorwiegend in städtischen Räumen konzentriert und die gleichzeitig das Gegenbild zu einer zunehmenden Anhäufung von Reichtum und Wohlstand in anderen Teilgebieten der gleichen Stadt darstellt. Vor dem Hintergrund einer enormen Reichtumsentwicklung auf der einen Seite hat auf der anderen Seite die Zahl der Menschen deutlich zugenommen, die in unmittelbarer Nähe oder unterhalb der Armutsgrenze leben. Diese Unterschiede lassen sich auf nationaler Ebene in den Einkommensstatistiken noch nicht nachweisen; sie werden jedoch aufgrund der Konzentration von Armut und Reichtum in städtischen Teilgebieten sichtbar und alltäglich erfahrbar. Wurden in der ersten Hälfte der 80er Jahre die Unterschiede in der Reichtums- und Armutsentwicklung zwischen Städten deutlich hierfür wurde der Begriff des Süd-Nord-Gefälles geprägt -, so werden seit etwa fünf bis sechs Jahren die zunehmenden Polarisierungen innerhalb der Städte offensichtlich: die reichen Stadtteile wurden immer reicher und die armen Stadtteile immer ärmer. Das bedeutet, daß die Begrifflichkeit "'neue' neue Armut" nicht nur Folge eines beobachtbaren Mengeneffektes ist, sondern vor allem das Ergebnis von Polarisierungsprozessen in der (städtischen) Gesellschaft.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.