Ausgabe März 1994

Netzwerk politischer Kommunikation in einer heterogenen Welt

Perspektiven der KSZE

Am 19. November 1990 unterzeichneten in Paris Vertreter derjenigen KSZE-Teilnehmerstaaten, die in den Militärbündnissen NATO oder Warschauer Pakt eingebunden waren, die "Gemeinsame Erklärung von zweiundzwanzig Staaten". In diesem knappen Text wurde die gegenseitige militärische Bedrohung für obsolet erklärt. Zwei Tage später unterschrieben die Vertreter aller KSZE-Teilnehmerstaaten sowie der Präsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaften die "Charta von Paris für ein neues Europa" sowie ein Zusatzdokument mit Bestimmungen für den Ausbau der KSZE zu einer internationalen Organisation 1). Dies war, und daher rührt ihre historische Bedeutung, die sicherheits- und ordnungspolitische Liquidationsurkunde des Ost-WestKonflikts 2).

Mit diesen Dokumenten von nicht nur europäischer, sondern globaler Reichweite wurde faktisch die Revolution von 1917 zurückgenommen. (Daß die geistesgeschichtliche Bedeutung des hier sozusagen notariell beurkundeten Vorgangs weder im "Osten" noch im "Westen" auch nur annähernd erfaßt ist und Reaktionen wie Triumph auf der einen oder Kurzzeit-Konversion und erbittertes Verdrängen auf der anderen Seite zwar verständlich sein mögen, jedoch völlig unangemessen sind, sei nur in Klammern erwähnt.

März 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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