Ausgabe Mai 1994

Die Mär vom amerikanischen Jobwunder

Hat sich die Diskussion in der noch nicht ganz überwundenen Rezession zunächst in erster Linie auf den vermeintlichen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft konzentriert, beginnt nun endlich die Betrachtung des Beschäftigungsproblems in den Mittelpunkt zu rücken. Die monatlichen Meldungen über neue Rekordstände der Arbeitslosigkeit lassen bei vielen die Erinnerung an die Endphase der Weimarer Republik wach werden und mahnen zu wirtschaftspolitischer Aktivität -, die Behandlung des Themas Arbeitslosigkeit wird 1994 vermutlich über den Ausgang vieler Wahlen entscheiden. In dieser Situation, deren Hintergrund in quasi allen marktlich organisierten Wirtschaften ähnlich ist, wird händeringend nach Konzepten gefahndet. Es darf deshalb nicht verwundern, wenn die Betrachtung der US-amerikanischen Entwicklung wieder einmal ins Zentrum rückt; wieder einmal, denn die Diskussion war bereits Mitte der 80er Jahre entflammt 1), dann aber nach der guten Beschäftigungsentwicklung gegen Ende des Jahrzehnts sanft entschlafen. Je nach Wahl des Betrachtungszeitraumes sind in den USA zwischen 15 (1980-1990) und 35 Mio. (1970-1990) neue Arbeitsplätze entstanden, während in der Bundesrepublik und der EU lediglich 3 bzw. 7 Mio. Jobs geschaffen werden konnten.

Mai 1994

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