Ausgabe Mai 1994

Selbstbestimmungsverlierer

Minderheitenrechte und Nationalitätenkonflikte in der Slowakei

Die Slowakische Republik gehört zu den neuen Staaten, die erst vor kurzem auf der Landkarte des östlichen Mitteleuropas aufgetaucht sind. Sie ist ein Produkt der Teilung der tschechoslowakischen Republik, die formell am 1. Januar 1993 vollzogen wurde. Von den europäischen Institutionen und der UNO wurde positiv vermerkt, daß sich diese Trennung friedlich vollzogen hatte und nur auf der politischen Ebene, ohne ethnische Spannungen oder gar Konflikte, verwirklicht wurde.

Aber das Resultat ist auf jeden Fall eine neue geopolitische Stellung der Slowakei in der Region. Die Slowakische Republik umfaßt nur ein Drittel der früheren Tschechoslowakei: ein Drittel ihres Territoriums (49 000 kmý von 128 000 kmý) und ein Drittel ihrer Bevölkerung (5,3 Millionen von 15,5 Millionen). Das bedeutet auch eine Drittelung des früheren Machtpotentials im Verhältnis zu ihren Nachbarn: Ungarn, Österreich, der Tschechischen Republik, Polen und der Ukraine. Die Slowakei verlor ihre direkte Verbindung zu Deutschland, Tschechien verlor seine direkte Verbindung zu Ungarn und zur Ukraine. Die Teilung der CSFR verstärkte - vom geopolitischen Standpunkt aus - die Westorientierung der Tschechischen Republik und die Ostorientierung der Slowakei. Eine neue Situation entstand auch im Hinblick auf Nationalitätenfragen.

Mai 1994

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema