Diesmal scheint der Angriff auf die Ladenschlußzeiten final, weil besser vorbereitet als zuvor: Die Bundesregierung hat sich eine Studie beim Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung bestellt, um mit hochwissenschaftlichen Erkenntnissen den Widerstand - auch in den eigenen Reihen - gegen die "Liberalisierung" aufzuweichen. Die Forschungsergebnisse liegen vor 1), das Kabinett plant einen Ladenschlußbericht. 50- bis 55 000 Arbeitsplätze mehr versprechen die Wissenschaftler, wenn der Einzelhandel um 6 Uhr öffnet und erst um 22 Uhr Feierabend macht (S. 18). Als warteten Scharen von Konsumenten nur darauf, den Sparstrumpf aufzuschnüren oder sich mittels Kreditkarte möglichst schnell und schmerzfrei zu verschulden, um mit dem Kauf von Dingen, nach denen sie derzeit offenbar kein hinreichend drängendes Bedürfnis verspüren, ein Beschäftigungsprogramm zu finanzieren. 20 Milliarden Mehrumsatz aus dem Nichts! Die Volkswirtschaft jenseits der "wettbewerbsfeindlichen" Ladenschlußregelung muß wie eine Banknotenpresse funktionieren, nur ohne Inflationsgefahr. Da staunt der Laie und der Fachmann - macht weiter Umfragen. Die Studie stellt fest, daß die überwiegende Mehrheit der Konsumenten mit den derzeitigen Öffnungszeiten "weitgehend zufrieden" ist (13).
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.