Diesmal scheint der Angriff auf die Ladenschlußzeiten final, weil besser vorbereitet als zuvor: Die Bundesregierung hat sich eine Studie beim Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung bestellt, um mit hochwissenschaftlichen Erkenntnissen den Widerstand - auch in den eigenen Reihen - gegen die "Liberalisierung" aufzuweichen. Die Forschungsergebnisse liegen vor 1), das Kabinett plant einen Ladenschlußbericht. 50- bis 55 000 Arbeitsplätze mehr versprechen die Wissenschaftler, wenn der Einzelhandel um 6 Uhr öffnet und erst um 22 Uhr Feierabend macht (S. 18). Als warteten Scharen von Konsumenten nur darauf, den Sparstrumpf aufzuschnüren oder sich mittels Kreditkarte möglichst schnell und schmerzfrei zu verschulden, um mit dem Kauf von Dingen, nach denen sie derzeit offenbar kein hinreichend drängendes Bedürfnis verspüren, ein Beschäftigungsprogramm zu finanzieren. 20 Milliarden Mehrumsatz aus dem Nichts! Die Volkswirtschaft jenseits der "wettbewerbsfeindlichen" Ladenschlußregelung muß wie eine Banknotenpresse funktionieren, nur ohne Inflationsgefahr. Da staunt der Laie und der Fachmann - macht weiter Umfragen. Die Studie stellt fest, daß die überwiegende Mehrheit der Konsumenten mit den derzeitigen Öffnungszeiten "weitgehend zufrieden" ist (13).
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.