Ausgabe April 1996

Die Suche nach den Ursachen der Krise

I. Im Labyrinth der Deutungen

Während die Arbeitslosigkeit nach der deutschen Vereinigung und der jüngsten schweren Rezession auf ein sehr hohes Niveau angestiegen ist, nimmt die Ratlosigkeit über Ursachen und Therapie der Probleme zu. In der Öffentlichkeit dominieren Deutungen aus pragmatischem betriebswirtschaftlichem Kalkül, das auf die Ebene der Volkswirtschaft übertragen wird, sowie Interpretationen aus dem Geist der neoklassischen Doktrin. Vor allem wird auf die vermeintlich zu hohen Lohnkosten, den zu geringen Abstand zwischen niedrigen und hohen Löhnen, zu hohe Unternehmensbesteuerung, zu hohe staatliche Abgaben wegen eines "überdimensionierten" Sozialstaates, zu hohe Staatsschulden und allgemein zu viel staatliche Regulierung hingewiesen.

Im Kern handele es sich um eine Kostenkrise und eine Krise der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Viele Gegenpositionen lehnen diese neoklassische Sicht zwar ab, ohne allerdings viel entgegenzusetzen, andere verkehren nur die Vorzeichen. Manche halten die vergangene Rezession für eine rein konjunkturelle Krise, ohne "strukturelle" Momente; die "Standortdebatte" habe keinerlei Realitätsgehalt, es gäbe auch kein Innovationsdefizit in Deutschland (so etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung oder, auf andere Weise, die Memorandum-Gruppe).

April 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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