Ausgabe Januar 1996

Reich, schön, gut

Wieviel soziale Distanz verträgt die Gesellschaft?

"Die Kassen sind leer", "Es ist kein Geld da" oder einfach: "Wir müssen sparen". Die Konsensfähigkeit solcher Sprüche reicht mittlerweile weit über das Bonner Regierungslager hinaus. Die Standortdebatte der vergangenen Jahre hat dazu geführt, und das sollte sie wohl, daß heute eine Mehrheit glaubt, das Verteilungsvolumen sei der Kernpunkt der sozialen Frage - nicht aber die Verteilung selbst. Banken, Versicherungen, Chemie- und Energiekonzerne haben die Standortmängel allerdings nicht daran gehindert, jedes Jahr Riesengewinne einzufahren. Und das private Vermögen wächst und wächst - egal ob Hochkonjunktur oder Rezession herrscht. Unlogisch ? Aber wahr. Um einer Sozialpolitik, die den Namen verdient, Freiräume zu verschaffen, müssen Fakten und Zusammenhänge öffentlich gemacht werden, von denen (nicht nur) die Standortstrategen nichts wissen wollen.

Das war das Motiv für einen "Sozialpolitischen Ratschlag über Reichtum in Deutschland", der unter dem Titel "Geld ist genug, daß Mitte November 1995 rund 500 Wissenschaftler, Gewerkschafter, Vertreter von Sozialverbänden, Praktiker von Sozialämtern und Beratungsstellen, Studierende und nicht zuletzt Politiker von SPD, Grünen und PDS in Hamburg zusammenbrachte.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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