Ausgabe Juli 1996

Was kostet die Umwelt?

Die Diskussion um eine umweltökonomische Gesamtrechnung

Bis Ende der 60er Jahre wurde in der Bundesrepublik Deutschland das Wachstum des Bruttosozialprodukts (BSP) im allgemeinen mit Wohlstandssteigerung gleichgesetzt. Erst Anfang der 70er Jahre kam die Kritik auf, daß wirtschaftliches Wachstum nicht selten mit Schädigungen der Umwelt verbunden ist. Auslöser dieser Debatte war die vom Club of Rome in Auftrag gegebene Studie über die "Grenzen des Wachstums". 1) Eine umfangreiche Diskussion begleitete die Veröffentlichung; erstmals wurden Stimmen laut, die dafür eintraten, ökologische Aspekte in die Berechnung des Sozialprodukts zu integrieren Durch die Energiekrise von 1974/75 und den Anstieg der Arbeitslosigkeit traten diese Überlegungen in den Hintergrund.

Doch zu Beginn der 80er Jahre geriet auch die ökologische Revision wirtschaftlicher Zielgrößen wieder ins Blickfeld. Seitdem sind eine Reihe von Reformvorschlägen vorgelegt worden, die sich mittlerweile zum Teil schon in der Erprobungsphase befinden. Die Diskussion über die Bildung von Umweltindikatoren erfolgte zeitlich gesehen - deutlich nach der Entwicklung von Sozialindikatoren, die in Deutschland in den 70er Jahren mit dem Sozial-Politischen-Entscheidungs- und Indikatoren-System (SPES) entscheidend vorangebracht wurde. Wohlstand bzw. Lebensqualität werden mit Hilfe eines statistischen Systems gemessen, dem zwölf Lebens und Politikbereiche (u.a.

Juli 1996

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Kunst der Bricolage

von Frank Adloff

Der Ausweg aus der dramatischen Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.