Ausgabe Juni 1996

Die defekte Wohlstandsmaschine

Weltwirtschaft zwischen Globalismus und Regionalisierung (Streitgespräch)

In seinem Beitrag "Globalismus, Nationalismus und monetäres Völkerrecht" ("Blätter" 5/1996, S. 544 ff.) beschuldigte Wilhelm Hankel "linke Aufklärer", darunter Horst Afheldt, "auf befremdliche Weise nationalistisch, autarkistisch, um nicht zu sagen reaktionär", den Globalismus der Güter- und Finanzmärkte zu verteufeln. Auf Einladung der "Blätter" trafen sich Afheldt, Befürworter regionaler statt globaler Lösungen, und Hankel zu einem von Karl D. Bredthauer moderierten Streitgespräch. D. Red.

 

Horst Afheldt: Ihr Aufsatz im Maiheft der "Blätter" hat mich irritiert, Herr Hankel. Nach dem, was ich in Ihrem Buch "Das große Geldtheater" (und auch in Ihrer Besprechung meines Buches "Wohlstand für niemand?" im "Handelsblatt") gelesen habe, hatte ich das Gefühl, daß wir uns über einen Punkt eigentlich einig sind: daß selbst ein funktionierender freier Markt zwischen Ländern verschiedener Ausgangsstandards nicht zu einer gerechten Weltordnung führt und daß dieses auch die Weisen des Liberalismus nie behauptet haben, denn diese haben immer Vorbedingungen genannt, die heute nicht erfüllt sind. Irre ich mich, wenn ich das in Ihrem"Blätter"-Artikel anders gelesen habe?

Wilhelm Hankel: In diesem Punkt sind wir uns immer noch einig.

Juni 1996

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.