Ausgabe März 1996

Französische Zustände

Das Volk wechseln

Woher kommen diese Millionen von Demonstranten, die aus allen Winkeln Frankreichs auftauchen, obwohl der Frühling noch gar nicht ansteht? Proletarier? Man dachte, die seien durch Roboter ersetzt, durch Überschuldung zwangsverbürgerlicht oder stolz, die TGVs (die Hochgeschwindigkeitzüge) zu fahren, um die die Welt uns beneidet; durch die Angst vor der Arbeitslosigkeit und der Gewalt in den Vorstädten zur Raison gebracht, verblödet durch das Fernsehen, durch die Falschspielereien und Scheindebatten, durch exhibitionistische Geständnisse, karitative Wettbewerbe und Lotto. Die Händler in Sachen Kommunikation und Geopolitik hätten sich niemals träumen lassen, daß so viele "Immobilisten" (d.h. im Sinn der Regierungspolitik "Unbewegliche") sich noch den Reformen in den Weg stellen, das Land paralysieren und den Verkehr stillegen könnten. Vor allen Dingen haben sie nicht vorhergesehen, daß die Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel kaum murren würden. Denn diese masochistischen Gimpel haben Geschmack daran gefunden, vor Tau und Tag aufzustehen, Geschmack am Fahrrad, am per-Anhalter-Fahren, an der gegenseitigen Hilfe, am Miteinandersprechen. Das ist gefährlich, das Miteinandersprechen! So fängt das immer an 1789, 1968. (...

März 1996

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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