Ausgabe Mai 1996

Französisches Memorandum für ein europäisches Sozialmodell (Auszüge)

Das nachstehend in Auszügen dokumentierte Memorandum des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac wurde im Verlauf des Monats März den Regierungen der Mitgliedsländer der Europäischen Union übermittelt. D. Red.

Europa ist ein menschliches Abenteuer, unternommen vom Menschen und für den Menschen. An der Wiege der Europäischen Gemeinschaft stand die Notwendigkeit, den Frieden und die Sicherheit zu gewährleisten, aber auch der Wunsch, unseren Völkern Fortschritt und mehr Wohlstand zu bringen. Diese Ziele sind noch immer aktuell. Wenn Europa ein abstraktes Gebilde wird oder nur den Weg der Wirtschaft und der Währung beschreitet, wird ihm das Wesentliche fehlen: der Wille und die Zustimmung der Völker, ohne die nichts Großes entsteht. Es ist an der Zeit, daß Europa wieder zu den Europäern findet. Heute, da 18 Millionen von ihnen ohne Beschäftigung und über 50 Millionen von der sozialen Ausgrenzung bedroht sind, ist es Aufgabe der Europäischen Union, auf die Sorgen ihrer Völker einzugehen. Diese Sorgen sind bekannt: die Beschäftigung, die Zukunft der Kinder, die Sicherheit, die Umwelt. Das sind die großen Themen, die die Menschen Tag für Tag beschäftigen und die als Prioritäten Europas bekräftigt werden müssen. Europa muß wieder ein Synonym für den sozialen Fortschritt werden.

Mai 1996

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema