Ausgabe September 1996

Chancen und Risiken einer Mittellage

Die Ukraine zwischen Rußland und dem Westen

Mit der Übergabe der letzten noch aus den Arsenalen der Sowjetarmee stammenden atomaren Sprengsätze an Rußland Anfang Juni des Jahres erfüllte die Ukraine einen wesentlichen Teil ihrer im Zusammenhang mit der Auflösung der UdSSR eingegangenen internationalen Verpflichtungen. Die Mitteilung über den erfolgreichen Abschluß dieser bisher einmaligen militärischen Aktion brachte der Öffentlichkeit wieder in Erinnerung, daß im Ergebnis des Zerfalls der UdSSR ein Staat entstanden war, der nach der Größe seines Territoriums, der Einwohnerzahl und dem militärischen Potential ein bedeutender sicherheitspolitscher Faktor im Osten Europas ist und dessen Platz und Rolle in den sich formierenden europäischen Sicherheitsstrukturen neu definiert werden muß. Für die Ukraine änderte sich mit dem Ende der UdSSR und dem Zusammenbruch des Ostblocks grundlegend die sicherheitspolitische Stellung. Aus einer zentralen Lage innerhalb des von der Sowjetunion dominierten östlichen Bündnissystems wurde wieder jene "Randlage", die dem Land in ferner Vergangenheit den Namen gab. 1) Unter den sich herausbildenden neuen sicherheitspolitischen Konstellationen in Europa stellt sich damit für die Ukraine eine Frage von existentieller Bedeutung.

September 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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