Ausgabe August 1997

Zwischen Einbindung und Ausgrenzung

Perspektiven der NATO-Osterweiterung

Der Madrider NATO-Gipfel, bei dem Polen, Tschechien und Ungarn zur Mitgliedschaft eingeladen wurden, hat einen Überlebenskampf, den die Allianz seit der Auflösung des Warschauer Paktes von 1991 führen mußte, vorerst erfolgreich abgeschlossen. Im Zentrum der Überlebensstrategie der Allianz stand dabei die Osterweiterung. Um sie ranken sich zahlreiche politische Mythen. Wer den aktuellen politischen Prozeß begreifen und im weiteren Verlauf konstruktiv auf ihn einwirken will, muß sich zunächst mit diesen Mythen auseinandersetzen.

Der "Öffnungs"-Mythos

Von sich selbst malt die NATO gerne das Bild eines Klubs demokratischer Staaten, der höflich die Tür aufmacht, wenn jemand anklopft, sofern dieser nur einige Voraussetzungen erfüllt: Demokratie, Achtung von Menschen- und Minderheitsrechten und friedliches Zusammenleben mit den Nachbarn. Dieses idyllische Klub-Bild hat mit der Realität nur sehr wenig zu tun. Am Ausgangspunkt der Erweiterungsgeschichte stand nämlich eher ein Angebots- als ein Nachfrageproblem. Die Vereinigten Staaten haben das Interesse, über die NATO weiter politischen Einfluß in Europa zu behalten und mit der NATO über einen militärischen Brückenkopf zu verfügen, um ihre geostrategischen Interessen im Nahen Osten und auf der Südhalbkugel der Erde vertreten zu können.

August 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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