Ausgabe August 1997

Zypern: Konfliktparteien unter Handlungsdruck

Tödliche Zwischenfälle an der Demarkationslinie im August vergangenen Jahres, die von der zyperngriechischen Regierung für Herbst 1998 angekündigte Stationierung modernster russischer Flugabwehrraketen vom Typ S-300 sowie die Aufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen im kommenden Frühjahr haben dem Zypernkonflikt 1) neue Dynamik verliehen und zu einer Intensivierung der Vermittlungsbemühungen verschiedener externer Akteure geführt. Die Repräsentanten der beiden Volksgruppen, Rauf Denktasch und Glafkos Klerides, sitzen wieder am Verhandlungstisch. Das bedeutet viel, wenngleich die erste Runde ohne Durchbruch zu Ende ging. Als Zypern im August 1960 unabhängig wurde, war der heutige Konflikt bereits latent vorhanden.

Zwar wurde mit der Unabhängigkeit sowohl dem griechischen Wunsch nach Enosis (Einverleibung Zyperns an Griechenland) als auch der türkischen Forderung nach Taksim (Teilung der Insel) eine deutliche Absage erteilt, jedoch war damit das gegenseitige Mißtrauen nicht beseitigt. Dieses sollte sich vor allem in der Umsetzung der gemeinsamen Verfassung niederschlagen, die den türkischen Zyprioten weitreichende Minderheitenrechte einräumte. Die griechischen Zyprioten unter der Führung von Präsident Makarios forderten eine Verfassungsänderung zu ihren Gunsten, die die türkisch-zypriotscher Seite ablehnte.

August 1997

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