Ausgabe Januar 1997

Verdeckte Fronten

Hintergründe des Konflikts in Ostzaire

Keiner der Protagonisten im Konflikt an der Ostgrenze Zaires kann mehr von sich behaupten, es ginge um so hehre Ziele wie Demokratie und Menschenrechte, obwohl manche dieser Gruppierungen die "Demokratie" oder die "Verteidigung der Demokratie" im Organisationsnamen tragen. Die hehren Ziele sollen vor allem die europäische und nordamerikanische Öffentlichkeit, die Medien und Politiker blenden, die sich gerne auf die eine oder die andere Seite schlagen. Ausländische Vermittler und Diplomaten vor Ort kennen allerdings ebenso wie Vertreter der Zivilgesellschaft und Friedensgruppen nur zu gut die "doppelte Sprache" der Konfliktparteien.

Doch welche Interessen werden von den verschiedenen Gruppierungen verfolgt? Eine umfassende Analyse und eine objektive Darstellung werden dadurch erschwert, daß alle Informationen, die verbreitet werden, interessengeleitet sind und in den Gesamtkontext gestellt werden müssen. Allzu häufig ist eine Information zwar richtig, aber nur ein Teil der Wahrheit, da z. B. ein Massaker an Zivilisten durch andere Ereignisse ausgelöst oder beeinflußt wurde.

So wird auch die Geschichte der Region zur Zeit neu geschrieben, nicht anders als es während und nach der Kolonialzeit geschah: Geschichtsschreibung der Herrschenden, die objektive Tatsachen und subjektive Wahrheiten nach ihren Interessen interpretiert und ganze Wirklichkeiten ausklammert.

Januar 1997

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