Ausgabe Januar 1997

Verdeckte Fronten

Hintergründe des Konflikts in Ostzaire

Keiner der Protagonisten im Konflikt an der Ostgrenze Zaires kann mehr von sich behaupten, es ginge um so hehre Ziele wie Demokratie und Menschenrechte, obwohl manche dieser Gruppierungen die "Demokratie" oder die "Verteidigung der Demokratie" im Organisationsnamen tragen. Die hehren Ziele sollen vor allem die europäische und nordamerikanische Öffentlichkeit, die Medien und Politiker blenden, die sich gerne auf die eine oder die andere Seite schlagen. Ausländische Vermittler und Diplomaten vor Ort kennen allerdings ebenso wie Vertreter der Zivilgesellschaft und Friedensgruppen nur zu gut die "doppelte Sprache" der Konfliktparteien.

Doch welche Interessen werden von den verschiedenen Gruppierungen verfolgt? Eine umfassende Analyse und eine objektive Darstellung werden dadurch erschwert, daß alle Informationen, die verbreitet werden, interessengeleitet sind und in den Gesamtkontext gestellt werden müssen. Allzu häufig ist eine Information zwar richtig, aber nur ein Teil der Wahrheit, da z. B. ein Massaker an Zivilisten durch andere Ereignisse ausgelöst oder beeinflußt wurde.

So wird auch die Geschichte der Region zur Zeit neu geschrieben, nicht anders als es während und nach der Kolonialzeit geschah: Geschichtsschreibung der Herrschenden, die objektive Tatsachen und subjektive Wahrheiten nach ihren Interessen interpretiert und ganze Wirklichkeiten ausklammert.

Januar 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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