Ausgabe September 1997

Von der Globalisierung mitgerissen, von der Geschichte gebremst?

Rahmenvorgaben, Ziele und Verständnisprobleme deutscher Außenpolitik

 "Das öffentliche Interesse an Außenpolitik ist derzeit nicht sonderlich ausgeprägt", konstatierte Arthur Heinrich im Maiheft. Sein Beitrag über die "außenpolitischen Tastversuche der kommenden BRD" fand ein lebhaftes Echo. Es scheint, als hätten nicht nur die "Blätter" die Absicht, das öffentliche Interesse am Umgang mit den "auswärtigen Angelegenheiten" zu stimulieren. Am 18. Juni veranstaltete die SPD einen Fachkongreß zum Thema, und am gleichen Tag eröffnete die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in der Bundeshauptstadt einen Zyklus "Reden zur Außenpolitik der Berliner Republik". Es sprach der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Deutschen Bundestag. Der hielt es für ratsam, von der beherzten Titelwahl der DGAP abzurücken - "Schon der Begriff 'Berliner Republik' führt in die Irre." -, um seinerseits die sonderbar vielversprechende Formel "Eine 'Berliner Republik' wird es ebensowenig geben, wie es eine 'Bonner Republik' gegeben hat" zu lancieren. (Die Briten sprächen ja auch nicht von der "Londoner Republik" ...) Die "in vierzig Jahren Provisorium", so Wolfgang Schäuble, "erworbenen Tugenden der Zurückhaltung und Selbstbescheidung" stünden nicht zur Disposition.

September 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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