Ausgabe April 1998

Kalt ausgesperrt

Neues über Inklusion und Exklusion

In Frankreich bereitet die Regierung Jospin ein "Gesetz gegen den sozialen Ausschluß" vor. Man darf gespannt sein, was es enthalten wird und wie man es durchsetzen will. Bezweifeln darf man aber auch, ob es mehr als Kosmetik und symbolische Geschäftigkeit vorführen kann - unter dem Druck der erfolgreich in Szene gesetzten "Maastrichttriterien" und unter dem Druck der anderen europäischen Regierungen, die befürchten müßten, daß die Sache Schule macht. In Deutschland sind wir jedenfalls noch nicht so weit. Hier markieren die Leitartikler Überraschung angesichts der Bewegung der "Ausgeschlossenen", auf die Frankreichs Regierung sich zu reagieren genötigt sieht: "Arbeitslose treten gewöhnlich nicht als politisch Handelnde auf. Die Gewerkschaften sind wenig darauf eingestellt, sich derer anzunehmen, die nicht mehr zu einer Belegschaft gehören. [...] Die 'neue Armut', zu Anfang der achtziger Jahre ein neues Schlagwort, ist zu einem Dauerzustand geworden." So kommentiert Thankmar von Münchhausen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 12. Januar 1998. Man rechnet offenbar nicht damit, auch hier die wachsende Zahl der ökonomisch und sozial Deklassierten eines Tages in der politischen Arena wiederzutreffen.

April 1998

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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