Ausgabe August 1998

Nigeria: Regime und Opposition ohne Konzept

Zwei unerwartete Todesfälle innerhalb eines Monats haben Nigeria in diesem Sommer in die tiefste Krise seit nahezu dreißig Jahren gestürzt. Am 8. Juni verstarb General Sani Abacha, Militärdiktator des bevölkerungsreichsten Landes in Afrika; am 7. Juli folgte Chief Moshood Abiola, inhaftierter Sieger der vom Militär annullierten Präsidentschaftswahl von 1993. Beide Ereignisse werden offiziell "Herzversagen" zugeschrieben, und beide haben die politische Landschaft Nigerias fundamental verändert. Sowohl das herrschende Militär wie auch die demokratische Opposition sind jetzt führungslos. So treibt das Land möglicherweise unabsehbaren Konvulsionen entgegen, die bis zum Zerfall führen könnten. Dabei hätte es so gar nicht kommen müssen. Abachas Tod setzte zunächst einer politischen Entwicklung ein Ende, die fast alle Beobachter im In- und Ausland als geradewegs in die Katastrophe führend kritisiert hatten.

Unter dem seit November 1993 amtierenden Militärdiktator war das bereits an einer schweren Wirtschaftskrise leidende Land immer tiefer ins Elend abgerutscht. "Fünf verlorene Jahre" nannten Beobachter am Schluß die AbachaÄra. 1995 hatte der Diktator zwar ein Programm des "Übergangs zur Demokratie" ins Leben gerufen, das die Bundesrepublik Nigeria bis zum 1.

August 1998

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