Ausgabe Dezember 1998

Konvergenz - schwacher Begriff, starke Absicht

Eine Herausforderung demokratischer Medien- und Telekommunikationspolitik

Eine Herausforderung demokratischer Medien- und Telekommunikationspolitik

Von Rainer Fischbach Verfolgt man die Diskussion über Medien und Telekommunikation, dann stößt man derzeit immer häufiger auf ein Wort, das bisher nur in wissenschaftlichen Fachsprachen vorkam: K o n v e rg e n z. Dieser Begriff bezeichnet Prozesse der Annäherung oder Angleichung. In der Mathematik etwa konvergiert eine Folge (von Werten) "gegen" einen Grenzwert. In der Mediendebatte geht es beim Stichwort Konvergenz jedoch um ganz unterschiedliche Beobachtungen oder Behauptungen: Es macht schon einen Unterschied, ob eine Konvergenz stattfindet bei - d e n E n d g e r ä t e n: von PC, Fernseher, Telefon gegen ein U n i v e r s a l g e r ä t; - d e n M e d i e n: von Rundfunk, Online-Diensten, World Wide Web, Zeitung, Buch etc. gegen ein U n i v e r s a l m e d i u m; - d e n T e c h n i k e n: von Telekommunikations-, Medienund Computertechnik gegen eine e i n h e i t l i c h e d i g it a l e T e c h n i k; - d e n N e t z e n: von Telefon-, Computer- und Rundfunkverteilnetzen gegen ein E i n h e i t s n e t z, das alle Dienste und Anwendungen zu tragen vermag; oder - d e n I n d u s t r i e n: von Telefongesellschaften, Onlineund Internet-Anbietern, Rundfunksendern, Film- und Medienproduzenten, Verlagen, Computer- und Softwareherstellern gegen ein O l i g o p o l von vertikal integrierten Medienkonzernen.

Dezember 1998

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Medien

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.