Ausgabe Februar 1998

Die NATO-Osterweiterung oder Der Beginn des Zweiten Kalten Krieges

Konnten wir vorhersehen, daß die NATO sich nach Osten erweitern würde, bis hin zu den alten Konfliktlinien in Europa, zu jener der Jahre 395 und 1054, jener des Schismas zwischen dem katholisch(-protestantisch)en und dem orthodoxen Europa sowie jener des Jahres 1095, dem Beginn der Kreuzzüge gegen die muslimische Welt? 2) Die Frage ist wichtig, denn hätten wir es vorhergesehen, wären mehr Kräfte mobilisierbar gewesen, um diese Bewegung, die vielleicht bedeutender ist als das Ende des ersten Kalten Krieges, zu stoppen oder wenigstens zu bremsen. Für eine konkrete Form des Diskurses müssen wir die Einheiten und die Variablen bestimmen. Diese sind ziemlich einfach: politische, militärische, wirtschaftliche und kulturelle Faktoren - und für all diese die ganz entscheidende Variable jeder Gesellschaftsanalyse: Zeit, Fortschritt, Geschichte, einschließlich der wahrscheinlichen Geschichte der Zukunft. Die Einheiten, vier an der Zahl, sind für den Beginn ebenfalls leicht zu bestimmen: die USA, das westliche Europa, das östliche Europa und Rußland.

So entsteht eine Matrix mit staatlichen und regionalen Akteuren in den Reihen und vier Arten von Macht in den Spalten, und wir können nun eine Reihe nach der anderen - oder eine Spalte nach der anderen - analysieren. Ich wähle die Vorgehensweise nach Reihen und beginne mit den USA.

Februar 1998

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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