Ausgabe Juli 1998

Zu den Möglichkeiten, transnationale Unternehmen in die ökologische Pflicht zu nehmen

Transnationale Unternehmen (TNU) üben einen enormen Einfluß nicht allein auf die Wirtschaft, sondern noch weit darüber hinaus auch auf die Medien, das Geistesleben, Konsumgewohnheiten und nicht zuletzt auf die Entwicklungschancen für ganze Regionen aus. Auch die Umweltpolitik gerät, so eine weitverbreitete Befürchtung, zunehmend in den Würgegriff mächtiger transnationaler Konzerne. Aufgrund ihres Drohpotentials, Investitionen, Produktionsanlagen und damit Arbeitsplätze an andere Standorte mit vermeintlich günstigeren Wirtschaftsbedingungen zu verlagern, ist es TNU ein leichtes, die um Arbeitsplätze und Investitionen konkurrierenden Nationalstaaten gegeneinander auszuspielen und den Abbau von Umweltstandards voranzutreiben. Letztendlich, so die These von der Globalisierungsfalle, können sich die Nationalstaaten den Zwängen der weltweiten Standortkonkurrenz und der Abhängigkeit von transnationalen Konzernen nicht entziehen. Umweltpolitik wird zum Opfer der globalen ökonomischen Dynamik.

Positive und negative Beiträge von TNU zum Umweltschatz

Nach einer Zählung der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) stieg die Zahl transnationaler Unternehmen seit 1970 von 7 000 auf 37 000. Im Besitz dieser Konzerne befindet sich etwa ein Drittel des weltweiten produktiven Anlagekapitals.

Juli 1998

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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