Während die USA bei ihren Vermittlungsbemühungen im Friedensprozeß zwischen Israelis und Palästinensern auf Granit zu beißen scheinen und für den Fall einer erneuten Zuspitzung des Streits um die UNSCOM-Inspektionen einen weiteren Waffengang gegen den Irak in Betracht ziehen, bildet sich - weit weniger schlagzeilenträchtig - in der Region des Vorderen Orients ein neues Kräftegefüge heraus. Eine Entwicklung, die, wenn es nach den USA geht, amerikanische Allianzen im Nahen und Mittleren Osten durch ein Geflecht von weiteren Interessenkoalitionen in dem Raum zwischen Mittelmeer, Persisch-Arabischem Golf, Schwarzem Meer und Kaspischem Meer langfristig komplementieren soll. Israel und die Türkei rücken zusammen; sie bauen ihre wirtschaftlichen Beziehungen aus und ergänzen diese durch militärpolitische Kooperation. Die USA fördern die strategische Zusammenarbeit der beiden regionalen Mittelmächte nach Kräften. Sichtbare Form nahm dieses im Entstehen begriffene Kräftedreieck an, als Anfang dieses Jahres fünf Kriegsschiffe aus Israel, der Türkei und den USA ein erstes gemeinsames Manöver in den internationalen Gewässern vor der israelischen Küste abhielten.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.