Ausgabe März 1998

1848 und der deutsche Sonderweg.

Eine gescheiterte Revolution und ihre Folgen

1846 erhoben sich die Polen in Krakau, 1847 kam es in vielen deutschen und belgischen Städten zu Hungerunruhen, in Italien und der Schweiz traten bürgerliche Kräfte mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit. In Frankreich stürzte im Februar 1848 eine neue Revolution in harten Straßenkämpfen, die 200 Todesopfer forderten, die Monarchie, man errichtete eine Republik "im Namen des Volkes", erzwang die Anerkennung der "sozialen Frage" und proklamierte zum ersten Mal das "Recht auf Arbeit". Diese Februarrevolution wirkte dann wie ein Signal in den Ländern Europas. In Deutschland 1) ging die Revolutionsbewegung vom Südwesten aus, "wo die lokalen Potentaten und Autoritäten fast reihenweise stürzten". 2) Petitionen und Demonstrationen und die meist gewaltfreie Besetzung von Regierungsgebäuden hatten in der Regel ausgereicht. Handwerker, Kleinhändler, Gesellen und Studenten bildeten die Träger dieser Bewegung. In den Städten schlossen sich die Industriearbeiter an, die etwa 3% der Bevölkerung ausmachten, deren Zahl aber rasch wuchs.

Doch auch Bauernaufstände griffen um sich. Bis zum März hatte die Bewegung alle deutschen Länder erfaßt und die Zentren der reaktionären Kräfte, Berlin und Wien, die Hauptstädte von Preußen und Österreich, erreicht.

März 1998

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema