Ausgabe März 1998

Arbeitslose in Bewegung

Französische Anstöße

Wer hätte damit gerechnet, daß sich die am 11. Dezember begonnene Besetzung einer Zweigstelle der Arbeitslosenversicherung in Marseille zu einer landesweiten Protestbewegung entwickeln könnte? Regierung, Gewerkschaften, Sozialwissenschaftler und nicht zuletzt die Initiatoren des Protests selbst waren einigermaßen überrascht über die Mobilisierungserfolge und die Welle der Unterstützung und Sympathie, die der Protestbewegung der Arbeitslosen aus den Medien und der Bevölkerung entgegenschlug. Es handelte sich keineswegs um den ersten Versuch von Arbeitsloseninitiativen und "-gewerkschaften", ihre Anliegen einer breiteren Öffentlichkeit zu Gehör zu bringen.

Allerdings stießen sie bisher auf wenig Resonanz. Ihr größter Mobilisierungserfolg, der Marsch der Arbeitslosen mit einer Abschlußkundgebung in Pans am 24. Mai 1994, an der mehr als zehntausend Menschen teilnahmen, blieb weitgehend auf Mitglieder von Abeitsloseninitiativen und -vereinigungen sowie Unterstützer aus dem Gewerkschaftslager beschränkt; unorganisierte Arbeitslose gewann man damals kaum für die Straße. 1) Und auch in der Weihnachtszeit 1996 hatte es einige Besetzungsaktionen von Arbeitslosen in Südfrankreich gegeben, die jedoch ein schnelles Ende fanden und denen kaum öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde.

März 1998

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema