Die UNO hat durch die erfolgreiche Vermittlungsaktion von Kofi Anan in der jüngsten Irakkrise einen Teil ihrer verlorenen Ehre wiedergewonnen. In diesem Fall haben sich die Institutionen der UNO als die Kraft in den internationalen Beziehungen erwiesen, die auch zur präventiven Lösung einer Krise auf friedlicher Grundlage in der Lage ist - wenn die Großmächte bereit sind, ihre nationalen Interessen nicht zum ausschließlichen Maßstab des internationalen Friedens zu machen. Doch ändert sich das Bild drastisch, wenn wir nur einige Grade weiter westwärts auf diesem Krisenbogen von Bagdad nach Jerusalem wechseln. Hier hat die UNO in über fünfzig Jahren Diplomatie weder einen Frieden noch ein politisch dauerhaftes Nebeneinander zweier Völker durchsetzen können. Was das eine Volk in diesem Jahr als Triumph der Staatsgründung feiert, betrauert das andere als Katastrophe der eigenen Existenz. Die UNO muß sich seit langem die Kritik des Doppelstandards ebenso vorwerfen lassen wie die US-amerikanische Administration, deren Außenministerin Madeleine Albright von Ohio bis Kairo die bedingungslose Unterstützung Israels im Palästinakonflikt zu verteidigen hatte.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.