Ausgabe August 1999

Ein Märchen aus alten Zeiten

Notting Hill ist ein Stadtteil in London, aber wenn die Autos nicht auf der linken Straßenseite führen, könnte es auch ein quartier in Paris sein. Oder eine neighbourhood in New York, da, wo die USA am europäischsten sind. Märkte, Buchläden, Kneipen, Künstler, sympathische und skurrile Menschen konstituieren ein Gutmensch-Biotop, in dem das praktiziert wird, was man einmal Lebenskunst nannte, von Leuten, die sich alle irgendwie bescheiden durchschlagen und trotzdem glücklich sind, weil sie wissen, daß Geld allein nicht glücklich macht. Filme, die diese Botschaft vermitteln wollen, spielen mit Vorliebe in solchen Milieus, aber es muß natürlich auch ein Königshof in Reichweite sein, damit das sprichwörtliche Glück aus Bescheidenheit sich bewähren kann. Da fällt dann dem Mädchen, das auf dem Dach eines Busses sitzt, der Pelzmantel auf den Kopf, den der Millionär aus dem Fenster wirft, als er sich im Geldpalast nebenan mit seiner Frau über deren Modeetat streitet. Am Ende heiratet sie den Sohn des Bankiers, und wir brauchen uns keine Sorgen mehr zu machen, wie das zusammenpassen soll. Easy Living heißt der Film von 1937.

Leicht nimmt auch der Buchhändler William, dessen Geschäfte mehr schlecht als recht gehen, das Leben in dem Film Notting Hill von 1999.

August 1999

Sie haben etwa 28% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 72% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.