Ausgabe Januar 1999

Das Ende der Familie wie wir sie kannten

Während der Koalitionsverhandlungen zwischen Rot-Grün erschien in einer großen deutschen Tageszeitung ein Leserbrief zur Meldung, daß die neue Regierung das Ehegattensplitting, wenn schon nicht abzuschaffen, so doch beträchtlich zu kappen gedenke. Im Brief fragt eine verheiratete Frau, Mutter von inzwischen halbwüchsigen Töchtern - ich paraphrasiere -, ob man ihr erklären könne, weshalb auf einmal die Arbeit als Hausfrau und Mutter nichts mehr wert sein solle. Was könnte man dieser Frau antworten?

Zunächst würde ich ihr sagen, daß das, was die Familie, ihren Wert ausmache, ein zeitabhängiges Konstrukt und es schon immer die Politik gewesen sei, die der Familie Rang und Bedeutung zugewiesen habe. Dies treffe auch dann zu, wenn man persönlich an eine überhistorische, universale Substanz des Familialen, ja selbst der auf relative Dauer angelegten Paarbeziehungen, glaube.Die Konstellationen für Politik und Wirtschaft, würde ich fortfahren, hätten sich inzwischen grundlegend verändert: Heute gelte es eben nicht mehr, die Familie gegen den DDR-Staatsinterventionismus oder ihren Mißbrauch durch die Nazis zu verteidigen und neu zu rüsten. Auch sei der Fordismus längst untergegangen 1) wir leben im postfordistischen Zeitalter.

Januar 1999

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