Ausgabe Juli 1999

Südafrika: Tyrannei der Mehrheit?

Nach 342 Jahren weißer Vorherrschaft und 46 Jahren Apartheid fand in Südafrika die Tyrannei der Minderheit ein Ende, als im April 1994 die ersten freien Wahlen abgehalten wurden. Droht jetzt, nach den zweiten freien Wahlen im Juni, die Tyrannei der Mehrheit? Nachdem der Regierende Afrikanische Nationalkongreß (ANC) die angestrebte Zwei-Drittel-Mehrheit, mit der die Verfassung außer dem Menschenrechtskatalog geändert werden kann, um einen einzigen Sitz verfehlt hatte, ging er eine Koalition mit zwei kleineren Parteien ein - der von Zulus getragenen InkathaFreiheitspartei (IFP) und der Minority Front, dem Refugium indischstämmiger Südafrikaner. Zusammen verfügen die Koalitionspartner über drei Viertel der Sitze im Parlament - genug, um die Verfassung inklusive Menschenrechtskatalog zu ändern. Ein vom neuen Präsidenten Thobo Mbeki in Auftrag gegebenes Positionspapier skizziert dessen politischen Fünfjahresplan. Dieser beinhaltet, daß die "nationale Befreiungsbewegung" - Kode für den ANC - sämtliche Hebel der Macht unter ihren Einfluß bringt: "Armee, Polizei, öffentlicher Dienst, Geheimdienst, Richterstand, halbstaatliche Unternehmen, Rundfunk und Fernsehen, Notenbank und so weiter."

Mbeki nennt das Transformation. Andere nennen es totalitäre Tendenzen.

Juli 1999

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Krieg im Kongo: Trump und der gordische Knoten

von Simone Schlindwein

Heute gelingt uns das, woran so viele andere gescheitert sind«, prahlte Donald Trump im Dezember 2025, als Kongos Präsident Felix Tshisekedi und dessen ruandischer Amtskollege Paul Kagame zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages im Weißen Haus eintrafen.

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.