Ausgabe Juni 1999

Habermas - Zur Rezeption von Theorie

Die Fehlrezeption großer Theorien scheint den Charakter des Zwangsläufigen anzunehmen. Was Jürgen Habermas' Philosophie angeht, so ist bereits an manche wissenschaftliche Rezension in einschlägigen Fachzeitschriften die Frage zu richten, ob der Rezensent den Autor eigentlich hatte verstehen wollen oder nur bemüht war, seine versammelten Vorverurteilungen zu Papier zu bringen. Noch verzeichneter erscheint das Bild dieser Philosophie in ansonsten anspruchsvollen Feuilletons und in Publikationen, die dem wissenschaftlich gebildeten Nichtphilosophen einen "Einblick" in Habermas' Philosophie und Gesellschaftstheorie anbieten. Auf diese letztere Perspektive sollen die folgenden Bemerkungen sich beschränken. Wenn hier Habermas' Philosophie gegen verbreitete Mißverständnisse (und böse Unterstellungen) verteidigt wird, so sei zur Präzisierung gesagt, daß im folgenden nicht konkrete Stellungnahmen zu aktuellen oder mittelfristigen politischen und gesellschaftspolitischen Fragen Gegenstand der Erörterung sind. Letztere wurden - übrigens nach Habermas' eigenem Verständnis 1) - nicht aus gerechtigkeitsexpertokratischer Perspektive vorgetragen, derart, daß aus den Höhen der diskurstheoretischen Moralphilosophie einzig richtige Normen für den öffentlichen Vernunftgebrauch einer demokratischen Gesellschaft deduziert würden.

Juni 1999

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