Ausgabe Juni 1999

Zwischen Globalisierung und Beduinisierung

Massenmedien im gesellschaftlichen Wandel der arabischen Welt

Seit Beginn der 90er Jahre hat sich das Erscheinungsbild der Massenmedien in der arabischen Welt erheblich gewandelt. Neue Technologien wie direktempfangbares Satellitenfernsehen oder das Internet haben die virtuellen Räume über den lokalen, nationalen und regionalen Horizont hinaus erweitert. Grenzüberschreitende Kommunikation hat die Konsumenten mit Zugang zu den genannten Technologien in die Lage versetzt, sich in globale Diskurse einzuschalten und die Grenzen autoritärer Informationskontrolle zu überwinden. Doch wer annimmt, westlicher Medieneinfluß allein könne autoritäre Systeme zu Fall bringen und traditionelle Lebensstile modernisieren, übersieht, daß europäische oder amerikanische Massenkommunikationsmittel allenfalls die Entwicklung vor Ort ergänzen. Nutzungsanalysen zeigen, daß selbst im frankophonen Maghrebraum der regelmäßige Konsum westlicher Fernsehprogramme in der Regel auf die obere Mittel- und Oberschicht beschränkt bleibt. Der Medienwissenschaftler Larbi Chouikha spricht von einer sozialen "Kluft" zwischen den Konsumenten ausländischer und nationaler Information. Sprachbarrieren, kulturelle Fremdheitsgefühle sowie Skepsis gegenüber der westlichen Nahostberichterstattung haben dazu beigetragen, daß gerade das Bevölkerungssegment, das im 20.

Juni 1999

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.