Ausgabe März 1999

Benchmarking als Leitidee

Zum Verlust des Politischen in der europäischen Perspektive

Nach Lean Production, Just-in-time und Total Quality-Management ist wieder ein neues Produktions- und Management-Konzept auf dem Vormarsch: Benchmarking. Die neuen Erfolgsrezepte - meist amerikanischen oder japanischen Ursprungs - entwickeln sich, wenn sie erst einmal in der Öffentlichkeit als erfolgreiche neue Wunderwaffe anerkannt sind, zum Lauffeuer. Folgte bereits dem Ruf nach schlanken Unternehmen der nach einem schlanken Staat, läßt sich nun ähnliches feststellen: Die Effizienz des politischen und administrativen Handelns (Politics-Dimension) soll, wie auch die Politik selber (Policy-Dimension), durch kontinuierliches Vergleichen und institutionalisiertes Lernen gesteigert werden. BDIChef Hans-Olaf Henkel missioniert seit Jahren für dieses "systematische Lernen von Konkurrenten, die eine bessere wirtschaftspolitische Performance haben als wir", Bundespräsident Roman Herzog empfahl das Benchmarking nachdrücklich in seiner berühmten "Ruck-durchs-Land"-Rede, und Anfang Dezember 1998 haben die Teilnehmer am "Bündnis für Arbeit" das Konzept offiziell zum Gegenstand ihrer Bemühungen erklärt. 2) Mit Bodo Hombach hat das "politische Benchmarking" 3) bereits im Bundeskanzleramt Einzug gehalten.

März 1999

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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