Das Fernsehen hat uns angeblich aufgeklärt. Weil wir von überallher Bilder zusammenraffen, sollen wir der Wahrheit näher sein und das soll uns dabei helfen, andere Völker zu befreien. Jetzt explodieren also wieder einmal Bomben am anderen Ende der Welt, füllen die Videobänder des Pentagon die Mattscheibe, werden die Ziele der Bomben in Zeitlupe und mit Sofortwiederholung bei der Explosion verfolgt; die gequälten Gesichter von Flüchtlingen sind mit Staub bedeckt und tränenüberströmt, der Feind verkündet den Bombardierungen zum Trotz seinen Widerstand, das Fernsehen überschüttet uns ständig mit weiteren Beweisen der Barbarei, die erbitterten Gesichter der Geiseln starren uns an, und wir sind ebensowenig aufgeklärt, klarsichtig, hilfreich wie zuvor. Das beständigste Medienklischee leitet sich von Marshall McLuhan her, der vor mehr als dreißig Jahren schrieb, daß Fernsehen zwangsläufig die Welt vereinen müsse. Dank der Geschwindigkeit, mit der sich die Bilder bewegten, würden wir "mythisch und ganzheitlich leben", befreit von Grenzen und Provinzialismus, denn, so McLuhan, "Elektrische Schaltungen haben die Diktatur von 'Raum' und 'Zeit' gestürzt und übergießen uns unablässig mit den Angelegenheiten aller anderen Menschen...
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.