Wie geht es weiter mit dem europäischen Sozialmodell? Das ist zweifelsohne eine der herausragenden Fragen der aktuellen politischen Diskussion. Nachdem sie in der Epoche der konservativ-liberalen Hegemonie allenfalls akademische Übungen inspiriert hatte, steht sie nun auf der Agenda eines sozialdemokratisch regierten Europas. Der Richtungsstreit über die zukünftige Geschäftsgrundlage des europäischen Wohlfahrtskapitalismus scheint in der Tat voll entbrannt - und das gemeinsam von Tony Blair und Gerhard Schröder verfaßte "Manifest" über den Dritten Weg der Neuen Mitte stellt hier nur den vorläufigen Höhepunkt dar. Daß diese Auseinandersetzung einen europäischen Charakter hat, ist in dem Dokument expressis verbis nachzulesen: "Wir müssen voneinander lernen", heißt es da; das Gebot der Stunde sei ein "politisches Benchmarking" innerhalb der europäischen Schicksalsgemeinschaft. Gewiß: Das "holländische Wunder", manchmal auch das dänische oder finnische "Modell" fasziniert politische Beobachter wie sozialdemokratische Diskutanten stets aufs neue.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.