Ausgabe September 1999

Wenn der Staat schwindsüchtig wird

Zu den Grenzen des New Public Management

Die New-Public-Management-Bewegung hat mit einiger Verspätung im Laufe der 90er Jahre auch die Bundesrepublik Deutschland erreicht. Nun sind ihre Begriffe in aller Munde, wenngleich eine flächendeckende, praktische Umsetzung noch nicht erfolgte. Man proklamiert den "Unternehmerstaat" oder den "Konzern Stadt", jedoch haben sich bisher nur Kommunen, ihrer außerordentlichen großen finanziellen Not gehorchend, an die Umsetzung gewagt. In anglo-amerikanischen Staaten wurde hingegen schon in den 80er Jahren die Reform des gesamten öffentlichen Sektors vorangetrieben. Die Erfahrungen damit können heute ausgewertet werden. Katastrophale Auswüchse dieser Politik sind dabei zu registrieren. Das für seine radikale Verwaltungsreform hochgelobte Neuseeland, wo umfangreiche Privatisierungen, Contracting-out etc. in allen Bereichen stattgefunden haben, spürt mittlerweile die Konsequenzen sehr schmerzhaft: Beispiel A: Die privatisierte Stromversorgung im Zentrum der größten Stadt Neuseelands Auckland fiel im Frühjahr 1998 für fast zwei Monate aus. Fehlende Innovationen, schlechte Wartung, unterlassene Reparaturen durch den privaten Strombetreiber waren die Ursache. Also mußte die hochtechnisierte Innenstadt von Auckland mit ihren vielen Büros und Einkaufszentren ohne Strom auskommen.

September 1999

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.