Ausgabe September 1999

Wenn der Staat schwindsüchtig wird

Zu den Grenzen des New Public Management

Die New-Public-Management-Bewegung hat mit einiger Verspätung im Laufe der 90er Jahre auch die Bundesrepublik Deutschland erreicht. Nun sind ihre Begriffe in aller Munde, wenngleich eine flächendeckende, praktische Umsetzung noch nicht erfolgte. Man proklamiert den "Unternehmerstaat" oder den "Konzern Stadt", jedoch haben sich bisher nur Kommunen, ihrer außerordentlichen großen finanziellen Not gehorchend, an die Umsetzung gewagt. In anglo-amerikanischen Staaten wurde hingegen schon in den 80er Jahren die Reform des gesamten öffentlichen Sektors vorangetrieben. Die Erfahrungen damit können heute ausgewertet werden. Katastrophale Auswüchse dieser Politik sind dabei zu registrieren. Das für seine radikale Verwaltungsreform hochgelobte Neuseeland, wo umfangreiche Privatisierungen, Contracting-out etc. in allen Bereichen stattgefunden haben, spürt mittlerweile die Konsequenzen sehr schmerzhaft: Beispiel A: Die privatisierte Stromversorgung im Zentrum der größten Stadt Neuseelands Auckland fiel im Frühjahr 1998 für fast zwei Monate aus. Fehlende Innovationen, schlechte Wartung, unterlassene Reparaturen durch den privaten Strombetreiber waren die Ursache. Also mußte die hochtechnisierte Innenstadt von Auckland mit ihren vielen Büros und Einkaufszentren ohne Strom auskommen.

September 1999

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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