Ausgabe April 2000

Common sense als Korrektiv?

Vielleicht ist es - mehr als die Krise selbst - die Halsstarrigkeit der Protagonisten, die das Publikum über tiefer greifende Konsequenzen aus der Affäre um die Parteienfinanzierung nachdenken lässt. Der frühere Bundeskanzler beharrt, nach dem zerknirschten Eingeständnis, das Parteiengesetz gebrochen zu haben, trotzig auf seinem Ehrenwort. Sein einstiger Innenminister, statt Reue zu zeigen, zeigt die Medien einer "Hetzjagd". Selbst die am Skandal eigentlich unbeteiligte hessische FDP-Chefin Ruth Wagner zeigt auf dem Höhepunkt der Krise ausgerechnet die Symptome, von denen sie sich nach der Erfahrung mit dem CDU-Patriarchat tunlichst frei machen sollte: Sie klammert sich an die Macht wie ein Kind an das lieb gewonnene Spielzeug. Ein solches Maß an Uneinsichtigkeit offenbart ein Politikverständnis, das den Bürger auf die hinteren Ränge verbannt hat. Kein Wunder also, dass die Öffentlichkeit darüber nachdenkt, ob Politik wirklich eine Monopolveranstaltung der Parteien bleiben muss.

Fast zwingend gerät dabei der Souverän ins Blickfeld. Der Ruf nach mehr direkter Demokratie wird laut.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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