Ein neuer Geist geht um unter Deutschlands Berufspolitikern, und wo er weht, da geschehen kleine Wunder. "In einer Partei, die in 25 Jahren sechs Vorsitzende hatte, kann sich so etwas gar nicht entwickeln", begründet Hans-Peter Bartels, SPD-Abgeordneter im Bundestag, seine Zuversicht, dass im Schoße der Sozialdemokratie ein Zentralismus à la Classic-CDU nicht möglich sei. "Auf unseren Parteitagen hat's immer gekracht", sagt ein Fraktionskollege über den Widerspruchsgeist der Partei, und auch er hört sich zufrieden an. Vor gar nicht langer Zeit war das noch etwas anders. Im vergangenen Jahr stöhnten die beiden jüngeren Sozialdemokraten wie viele andere, die dem Kreis der SPD-"Youngsters" nahestehen, noch über die scheinbar unerschöpfliche Lust ihrer Partei, sich in Debatten über links und rechts, über soziale Gerechtigkeit und Sparpolitik zu zerreissen. Das SPD-Sommertheater mit seiner nicht enden wollenden Kette kontroverser und bisweilen widersprüchlicher Wortmeldungen verfolgten sie mit Grausen.
Am 6. September, in gut sechs Wochen, findet die wohl wichtigste deutsche Wahl dieses Jahres statt, nämlich die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Seit Monaten liegt die AfD in allen Umfragen klar vorn, stets um die 40 Prozent, mit kaum mehr einholbarem Abstand vor der Union.