Ausgabe August 2000

Die Amputation der Erinnerung

Zwei in der Woche des amerikanischen Unabhängigkeitstags veröffentlichte Meldungen verdienen wegen ihrer Aussagen über die Zukunft unsere Aufmerksamkeit. Die erste bestätigt eine entscheidende Veränderung in der ethnischen Zusammensetzung der USA. In der Zeit bis zum 1. Juli 2001 wird Kalifornien sich zu dem ersten amerikanischen Grenzstaat entwickeln, in dem nicht-hispanische Weiße in der Minderheit sind. Vor dreißig Jahren war Kalifornien zu 80% weiß, um es in einer zweideutigen, aber notwendigen Kategorie auszudrücken. Die zweite Meldung betraf eine Untersuchung des American Council of Trustees and Alumni, durchgeführt unter 556 kurz vor ihrem Abschluß stehenden Universitätsstudenten, die eine der 55 "führenden Universitäten und Colleges, darunter Harvard, Princeton und Brown" besuchen. Keine dieser Lehranstalten verlangt ein Seminar über amerikanische Geschichte. Den Studenten wurden nach dem Zufallsprinzip 34 Multiple-Choice-Fragen auf Oberschulniveau zur Geschichte der USA gestellt. Der Durchschnitt der richtigen Antworten belief sich auf nur 53%. Die Studenten sollten den Inhalt der Emancipation Proclamation 1) angeben; 26% antworteten korrekt. Sie wurden gefragt, welcher General die Schlacht von Yorktown während des Unabhängigkeitskriegs gewann. 34% entschieden, es sei wohl George Washington gewesen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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