Ausgabe Februar 2000

Indonesische Selbstzerfleischung

Im Staatswappen Indonesiens wird der nationale Zusammenhalt mit Sanskrit-Worten beschworen: "Bhinekka tunggal ika - Einheit in der Vielfalt". Mit diesem Appell war den Holländern nach Jahrhunderten kolonialer Bevormundung die Unabhängigkeit der neuen, 17 000 Inseln einbeziehenden Republik abgetrotzt worden. Am 27. Dezember 1949 hatte Den Haag der Souveränität für das einstige Niederländisch-Ostindien zugestimmt. Ein halbes Jahrhundert danach ist diese Einheit akut gefährdet. Die Schreckensmeldungen reißen nicht ab. Fast täglich werden gewalttätige Ausschreitungen gemeldet. In zahlreichen Regionen des südostasiatischen Archipels lodert ungezügelter Haß auf. Seit dem erzwungenen Rücktritt des Alleinherrschers Suharto im Mai 1998 wird das Riesenreich von politischen Turbulenzen erschüttert, die sich immer wieder in Mord und Totschlag entladen. Die Zahl der Todesopfer geht in die Tausende, und Hunderttausende von Menschen sind wegen der Unruhen auf der Flucht innerhalb Indonesiens. Das in den Hochglanzprospekten der Tourismusindustrie gepflegte Image von Harmonie, Toleranz und ewig lächelnden Einheimischen erweist sich als Illusion. Nachbarn, die bislang friedlich neben- und miteinander lebten, bringen sich um. Längst ist die Frage zu stellen, ob es denn jene indonesische Identität gibt, noch gibt oder je gegeben hat, die angeblich die Menschen zwischen der Nordspitze Sumatras und den Urwaldweiten Papuas verbindet.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.