Ausgabe Februar 2000

Schöne neue Aktionärswelt

Eine große Anzeige, im Stil einer amtlichen Verlautbarung, erscheint derzeit regelmäßig in verschiedenen überregionalen Zeitungen. Sie trägt den Titel: "Umtauschangebot an die Aktionäre der Mannesmann AG". Ganz oben, in einem Extra-Rahmen, steht das Kleingedruckte: "Diese Anzeige beinhaltet weder ein Angebot zum Umtausch, Verkauf, Ausgabe oder Wiederausgabe von Wertpapieren noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes zum Erwerb, Tausch oder zur Zeichnung von Wertpapieren, soweit dies durch anwendbares Recht untersagt wird." Ein auch grammatisch riskantes Angebot, das keines sein will, wenn es keines sein darf, sonst aber schon? fragt sich verblüfft der Alltagsverstand. Der Widerspruch, den vielleicht nur ein juristisch verbildetes Hirn erklären kann, ist symptomatisch für unsere Situation zu Beginn des Jahres mit den drei Nullen: Wir verstehen nichts, genießen aber den Showeffekt. Wir hatten - um nur einiges aufzuzählen, was die letzten Jahre an star wars zu bieten hatten - Bush gegen Saddam Hussein, Clinton gegen Milosevic. Jetzt haben wir Vodafone gegen Mannesmann.

Die Recken ziehen in die Anzeigenschlacht, der Gigantenkampf verdeckt, was der Vorgang eigentlich bedeutet, daß ein Konzern einen anderen gegen dessen Willen in seinen Besitz bringen kann, indem er die Gewinne der Aktionäre besser zu maximieren verspricht.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europas. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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