Ausgabe Februar 2000

Schöne neue Aktionärswelt

Eine große Anzeige, im Stil einer amtlichen Verlautbarung, erscheint derzeit regelmäßig in verschiedenen überregionalen Zeitungen. Sie trägt den Titel: "Umtauschangebot an die Aktionäre der Mannesmann AG". Ganz oben, in einem Extra-Rahmen, steht das Kleingedruckte: "Diese Anzeige beinhaltet weder ein Angebot zum Umtausch, Verkauf, Ausgabe oder Wiederausgabe von Wertpapieren noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes zum Erwerb, Tausch oder zur Zeichnung von Wertpapieren, soweit dies durch anwendbares Recht untersagt wird." Ein auch grammatisch riskantes Angebot, das keines sein will, wenn es keines sein darf, sonst aber schon? fragt sich verblüfft der Alltagsverstand. Der Widerspruch, den vielleicht nur ein juristisch verbildetes Hirn erklären kann, ist symptomatisch für unsere Situation zu Beginn des Jahres mit den drei Nullen: Wir verstehen nichts, genießen aber den Showeffekt. Wir hatten - um nur einiges aufzuzählen, was die letzten Jahre an star wars zu bieten hatten - Bush gegen Saddam Hussein, Clinton gegen Milosevic. Jetzt haben wir Vodafone gegen Mannesmann.

Die Recken ziehen in die Anzeigenschlacht, der Gigantenkampf verdeckt, was der Vorgang eigentlich bedeutet, daß ein Konzern einen anderen gegen dessen Willen in seinen Besitz bringen kann, indem er die Gewinne der Aktionäre besser zu maximieren verspricht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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