Ausgabe Juli 2000

Big Brother, die zweite

Wie in den "Blättern" 4/00 nachzulesen, hatte ich geglaubt, dem neuen Sendeformat eine gewisse Faszination bescheinigen zu können. Abgesehen von allen Einschränkungen angesichts eines Veranstalters, der ausschließlich auf die Einschaltquote blickt, könnte das Ganze, so schien es, eine "authentische Färbung" haben. Doch das war offenbar nicht intendiert: Je weiter sich "Big Brother" scheinbar aus sich selbst heraus entwickelte, um so deutlicher wurden die Eingriffe durch eine Regie, die das Geschehen auf mehreren Ebenen lenkte: Die "Doku Soap" hatte sehr wohl einen Regisseur, der, vermutlich vermittelt durch den "Psychologen", der die Containerbewohner regelmäßig "betreute", massiv intervenierte.

Als Wendepunkt ist wohl der Moment zu bezeichnen, an dem die dralle Sabrina ins Spiel gebracht wurde. Ihr Eintritt in die Gruppe sollte wohl etwas Sex ins Geschehen bringen, was aber an der unerschütterlichen Keuschheit von Jürgen scheiterte. Wichtiger noch war wohl für die Macher, daß sie die gruppendynamischen Prozesse wie eine Dampfwalze plattmachte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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