Ausgabe Juli 2000

Fremdvölkische im Reichseinsatz

Eine Einführung zum Thema NS-Zwangsarbeit

Die Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Deutschland war der größte Fall der massenhaften, zwangsweisen Verwendung von ausländischen Arbeitskräften in der Geschichte seit dem Ende der Sklaverei, wie Ulrich Herbert, der Pionier der historischen Forschung zur NS-Zwangsarbeit, formulierte. 1) Zwangsarbeiter stellten im Spätsommer 1944 in Deutschland etwa ein Viertel aller in der gesamten Wirtschaft beschäftigten Arbeitskräfte. Insgesamt mindestens 10 Millionen Menschen waren als ausländische Zwangsarbeiter aus 18 Ländern in Deutschland eingesetzt. In jeder Stadt lassen sich zahlreiche Zwangsarbeiterlager nachweisen, die als Baracken unmittelbar auf den Zechen- und Industriegeländen oder in Sälen ehemaliger Gaststätten und Schulen errichtet wurden. Man unterscheidet vier Gruppen von Zwangsarbeitern: 1. Ausländische Zivilisten, die die überwältigende Mehrheit der Zwangsarbeiter stellten. 2. Ausländische Kriegsgefangene, vor allem Polen, Russen und Franzosen. 3. KZ- und Polizeihäftlinge, zu denen auch Insassen von Arbeitserziehungslagern gehörten, die ich im Rahmen meiner Promotion erforscht habe. 4. Europäische Juden, die vor ihrer Deportation in die östlichen Ghettos und Vernichtungslager Zwangsarbeit im Reich leisten mußten und seit 1944 wieder als KZ-Häftlinge in Deutschland arbeiteten.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema