Ausgabe Juni 2000

Von Vietnam nach Kolumbien

Die Diskussionen aus Anlaß der Jahrestage der amerikanischen Niederlage in Vietnam vor 25 Jahren, der Invasion in Kambodscha und der Toten an der Kent State University 1970 haben die wichtigste Lehre des Vietnamkrieges zumeist ignoriert. Die besteht in der Anerkennung der grundlegenden Tatsache, daß ein Bürgerkrieg nicht durch eine äußere Intervention zu entscheiden ist. Den Krieg müssen Einheimische gewinnen. Heute drohen die USA in einem ganz anderen Land in einen internen Konflikt hineinzuschlittern, nämlich in Kolumbien, diesmal allerdings ohne die Absicht, Kampftruppen einzusetzen. Denn unter USPolitikern und hohen Militärs existiert eine tiefsitzende, quasi verinnerlichte Angst vor Interventionen mit Bodentruppen. Aktivitäten amerikanischer Soldaten in Kolumbien würden sich auf Trainingsmaßnahmen und Leitungsaufgaben beschränken - obwohl es auch in Vietnam so angefangen hat. Damals ging es darum, die anfänglichen militärischen Investitionen in Ausbildung und Anleitung südvietnamesischer Kampfverbände nicht zu gefährden, für die amerikanische Nation eine Prestigefrage, die dann den Krieg eskalieren ließ.

Kolumbien hat ein halbes Jahrhundert extremer und andauernder Gewalt erlitten. Ein brutaler Bürgerkrieg, La Violencia genannt, wütete von 1945 bis 1965.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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