Ausgabe November 2000

Kokain-Krieg

Die "New York Times" hat Kolumbien einmal das "Bosnien Lateinamerikas" genannt. Hier tobt seit fast 40 Jahren ein blutiger, hinterhältiger Bürgerkrieg zwischen marxistisch-maoistischen Guerrilla-Einheiten, rechten Todesschwadronen, dem Militär und kriminellen Drogenkartellen: 30 000 Morde jährlich, sieben Entführungen täglich und rund zwei Millionen Flüchtlinge innerhalb der letzen zehn Jahre - die Hälfte von ihnen lebt im Exil in Nachbarstaaten. So lautet die nüchterne Zahlenbilanz des drittgrößten Landes Lateinamerikas. Neuerdings wird gar von einer "Vietnamisierung" gesprochen, da sich die Vereinigten Staaten immer engagierter in den internen Konflikt einmischen: mit viel Geld, mit Waffen, mit "Militärberatern" - sprich Soldaten. Seit der letzten Präsidentenwahl vor zwei Jahren versuchen die USA mit bisher einmaligen (Un-) Summen in erster Linie den Drogenanbau in dem Andenstaat auszutrocknen. Die Nachbarstaaten fürchten seither jedoch eine Ausweitung der "kolumbianischen Seuche" auf ihr Gebiet und eine militärische US-Intervention im großen Stil. Der gesamten Region droht eine Destabilisierung in bisher ungeahntem Ausmaß.

Worum es bei dem Bürgerkrieg geht, wissen selbst erfahrene Experten nicht mehr zu sagen. Nur eines ist klar: Das Land kennt kaum einen anderen Zustand.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: imago images / Xinhua

Argentinien: Die Rückkehr des Peronismus

von Tobias Boos

Die Schlacht schien geschlagen, noch bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hatte. Schon bei der Vorwahl im August hatte Alberto Fernández seinen Konkurrenten, den damals amtierenden Präsidenten Mauricio Macri, mit 15 Prozentpunkten Vorsprung weit hinter sich gelassen.

Demonstrierende in Bolivien

Bild: imago images / Fotoarena

Bolivien: Morales als Märtyrer?

von Thomas Guthmann

Vor 14 Jahren trat in Bolivien Evo Morales als erster indigener Präsident Lateinamerikas sein Amt an. Heute, gut zwei Monate nach seinem erzwungenen Rücktritt, ist das Land gespaltener denn je. Während die Interimsregierung das Militär auf die Straßen schickt, kämpft die indigene Bevölkerung um den Erhalt ihrer Rechte.