Ausgabe Oktober 2000

Der Fall Österreich, Neue Folge

Die dunkle Seite der österreichischen Sozialdemokratie

Jetzt[i] ist es also amtlich: Die Sanktionen werden gemäß dem Ratschlag der „drei Weisen“ aufgehoben. Abgesehen davon, daß man bei diversen offiziellen Treffen den Vertretern Wiens zumindest in der Öffentlichkeit nicht die Hand schüttelte, hatten sie ohnehin nur geringe Auswirkungen auf das österreichische Volk, auf Politik, Kultur und Gesellschaft des Landes. Der Schritt der EU zeichnete sich seit längerem ab. Nach dem forschen Entschluß vom 31. Januar überkam die Union plötzlich die Angst vor der eigenen Courage. Fortan verwandte man eine gehörige Portion Zeit und Energie darauf, der heiklen Lage zu entkommen, in die man sich geraten wähnte. Das ängstliche Verhalten, die Nachgiebigkeit waren ganz und gar hausgemacht. Analog zu Franklin D. Roosevelts Botschaft an das amerikanische Volk „Wir haben nichts zu fürchten - außer der Furcht selbst“ besiegte sich die EU bei ihrem mutigen Unterfangen selbst. Österreich wird von den Sanktionen befreit, Silvio Berlusconi und seine Zuträger werden aller Voraussicht nach eine ebenso häßliche, jedoch nicht in dem Maße historisch vorbelastete Regentschaft wie die derzeitige österreichische antreten, und die fremdenfeindliche Gewalt breitet sich seit geraumer Zeit rasch in ganz Europa aus, von Spanien bis Schweden, von Frankreich bis Norwegen, mit besonders widerlichen Formen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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