Ausgabe April 2001

Labours langer Weg

Spätestens im Mai 2002 muss in Großbritannien das Unterhaus neu gewählt werden. Es kann aber noch in diesem Jahr geschehen, und im Grunde zweifelt kaum jemand daran: Die Labour Party wird erneut einen Wahlsieg erringen, und Tony Blair für eine weitere Legislaturperiode Premierminister des Vereinigten Königreichs. Noch nie seit 1945 hat Labour zwei volle Perioden hintereinander das Land regiert: Harold Wilson brachte es in den 60er Jahren zwar auf zwei Wahlsiege, doch den zweiten im Jahr 1966 errang er in vorzeitig nach zwei Jahren angesetzten Wahlen. 1970 musste er dem Konservativen Edward Heath die Führungsposition überlassen. 30 Jahre später wirkt Labour so stark wie selten zuvor. Im Februar sagten Umfragen ihr einen Stimmenanteil von 47 bis 50% voraus; die Konservativen können demnach nur mit 29 bis 32% rechnen.

Nach dem deutlichen Einbruch der Wählergunst im September 2000 im Zusammenhang mit den Benzinpreisprotesten ist die Popularität der Regierung schnell wieder gewachsen. Wesentlichen Anteil hieran hat ohne Zweifel die wirtschaftliche Lage: Die Arbeitslosigkeit fiel im Januar 2001 auf den niedrigsten Stand seit 1975. Im letzten Vierteljahr 2000 bewegte sie sich nach den Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bei 5,3%, das sind 1,56 Millionen Menschen. 1998 waren es noch über 6% gewesen.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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