Ausgabe August 2001

Lauter feine Herren

Deutsche Kriegsverbrecher, einige Lords und die Wiederbewaffnung

Den Älteren und Alten klingt es noch im Ohr: "Nie wieder Krieg!". Oder: "Soldaten? Ohne mich!" Oder gar: "Waffenlos in Gottes Hand". Das hörte und las man, nachdem in Westdeutschland erst verstohlen, dann offen über eine deutsche Wiederbewaffnung gesprochen worden war. 1945 waren sich die Alliierten in Potsdam noch darüber einig gewesen, die Deutschen sollten nie wieder Waffen tragen. Damals begannen die Deutschen, willig oder unwillig, gerade erst zu begreifen, was sie getan hatten - aber da brach bald auch schon der Kalte Krieg aus. Sie wurden wieder gebraucht.

Schon im September 1946 hatte der amerikanische Außenminister James Francis Byrnes mit seiner "Speech of Hope" genannten Rede den Westdeutschen in Stuttgart die Rolle eines "Bollwerks gegen die rote Flut" zugesprochen. Entnazifizierung hatte keine Priorität mehr. 1947 wurde der Marshall-Plan für den Wiederaufbau in Europa vorgelegt, und schon vor der Gründung der Bundesrepublik im Mai 1949 begannen die ersten Gespräche über die Wiederbewaffnung hinter verschlossenen Türen: Der frühere General Dr. Hans Speidel hatte im Dezember 1948 und im April 1949 in zwei Denkschriften gemeint, der Westen sei hoffnungslos unterlegen.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Micha Brumlik: Ein furchtloser Streiter für die Aufklärung

von Meron Mendel

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel und anschließend der Krieg der Netanjahu-Regierung in Gaza begann, fragten mich viele nach der Position eines Mannes – nach der Micha Brumliks. Doch zu diesem Zeitpunkt war Micha bereits schwer krank. Am 10. November ist er in Berlin gestorben.