Ausgabe März 2026

Tugend als Staffage, Hierarchie als Ziel

Wie sich die Neue Rechte auf die Antike bezieht

Statue des spartanischen Königs Leonidas bei den Thermopylen, Griechenland (IMAGO / Pond5 Images)

Bild: Statue des spartanischen Königs Leonidas bei den Thermopylen, Griechenland (IMAGO / Pond5 Images)

Platon, Cato und Cicero erfreuen sich bei neurechten Denkern wachsender Beliebtheit. Deren Bezug auf die Klassiker ist allerdings ein spezieller. Statt an die antiken Ideale von Freiheit und Gleichheit anzuknüpfen, interpretiert die Neue Rechte die antiken Philosophen als Vordenker des Antiliberalismus.

Was haben wohl die beiden folgenden Ereignisse gemeinsam, wofür stehen sie? Im Februar veranstaltete der äußerst rechte, sich zutiefst traditionsbewusst gebende Thinktank »Europa Aeterna – Akademie für politische Philosophie« eine Konferenz zum Thema »Platon und Europa«.1 Im Ankündigungstext heißt es: »Platon […] ist schlicht und einfach der bedeutendste, einflussreichste, weil auch der stärkste Denker des Abendlandes«. Das zweite Ereignis liegt weiter in der Vergangenheit. Ein »Bundeslager 2020« der Identitären Bewegung (IB) wurde von dieser qua Kurzvideo effektiv in Szene gesetzt. Bei ihrer Außenkommunikation setzte die IB dabei auf ein Homer-Zitat2, auf den Spruch »Spartas Mauern sind seine Männer« oder auf einen in Szene gesetzten Holzblock mit der Aufschrift »Hopliten«. Das verweist auf griechische Bürgersoldaten, die in der Streitformation »Phalanx« kämpften. Entsprechend nennt sich der Internet-Shop der IB »Phalanx Europa«. 

Die doppelte Gemeinsamkeit zwischen den beiden Fällen ist offensichtlich. Es werden starke Bezüge zur Antike hergestellt, und zwar von zwei dezidiert rechtsextremen Organisationen.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema