Ausgabe Mai 2026

Perioden-Tracking als Politikum

Warum Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks gefährlich sind

Ein Close-Up der Periodentracking-App »Flo« (IMAGO / Depositphotos)

Bild: Ein Close-Up der Periodentracking-App »Flo« (IMAGO / Depositphotos)

Technologien für Frauengesundheit wie Apps, die Menstruationszyklen aufzeichnen, boomen. Doch in einer Zeit, in der Frauenkörper zunehmend durch rechtsextreme Kräfte vereinnahmt werden, ist ihre Nutzung riskant.

Dünne, normschöne Models im Bikini räkeln sich auf der Webseite von »28« vor Meer- und Regenwaldkulissen. Die zyklusbasierte Wellness-App aus den USA verspricht ihren Nutzer:innen tägliche Trainingsvideos, Ernährungsprofile und auf den Menstruationszyklus zugeschnittene »emotionale Einblicke«.1 Auch die Fruchtbarkeitsphasen lassen sich in der App ablesen, Tester:innen zweifeln allerdings an der Zuverlässigkeit der Methode.2 Dennoch boomen Technologien für Frauengesundheit wie Periodentracker: Das Marktforschungsunternehmen Precedence Research schätzt das globale Marktvolumen für den »FemTech«-Sektor 2025 auf mehr als 60 Mrd. US-Dollar, bis 2034 könnte der Markt auf 130 Mrd. Dollar anwachsen.3 

Weltweit setzen Millionen Menschen Periodentracker ein: Die App »Flo« verfügt eigenen Angaben zufolge über 77 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen, »Clue« über rund zehn Millionen weltweit.4 Einer Onlineumfrage der Verbraucherzentrale Bundesverband zufolge setzen 2023 in Deutschland rund vier von zehn der befragten Internetnutzer:innen zwischen 18 und 55 Jahren Zyklus-Apps ein.

»Blätter«-Ausgabe 5/2026

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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